Informatikunterricht – Programmieren… ja und wenn ja wieviel?

Im Informatikunterricht bin ich nach meinen ersten Berufsjahren noch am rätseln darüber, was der „Kern“ des Faches ist.

Am meisten bin ich da am überlegen, wo ich die Prioritäten in der Q1 legen soll. Die Themen in dieser Jahrgangsstufe sind objektorientiertes Programmieren, sowie Algorithmen.

Beim Programmieren gibt es zwei vollkommen unterschiedliche Ansätze:

  • Ein Ansatz versucht mit Hilfe von spielerischer Umgebungen wie GameGridGreenfoot oder dem Programmieren von IDEs mit integrierten GUI-Erzeugern wie z.B. dem Java-Editor den Spaß am Programmieren zu fördern. Dadurch, dass die Schüler schnell Ergebnisse erzeugen können, Spiele und interaktive Windows-Anwendungen programmieren, soll die Motivation gefördert werden. Das Problem bei diesem Ansatz: Dadurch, dass man gleichzeitig sowohl mit imperativen Sprachelementen und mit Klassen und Objekten arbeiten muss, müssen die Schüler sehr viele Sprachkonstrukte gleichzeitig lernen, oft führt kein Weg daran vorbei Sprachelemente erst einmal zu nutzen und später genauer zu verstehen.
  • Ein weiterer Ansatz setzt die Programmierkonzepte in den Vordergrund, Man verzichtet auf optisch ansprechende Anwendungen zugunsten einer Fokussierung auf Sprachkonstrukte. Es reicht dann, die Ausgabe auf eine Kommandozeile auszugeben, dafür können die Schüler ein Programmierkonzept nach dem Anderen lernen.
  • Weiterhin gibt es noch Konzepte wie LOGO oder verschiedene Implementierungen von Turtle-Grafik. Das schöne an diesem Ansatz ist, dass hier die grundlegenden Programmierkonzepte gelernt werden können und gleichzeitig Ergebnisse sichtbar sind.

Nachdem ich jetzt das erste Jahr komplett mit Greenfoot gearbeitet habe, muss ich sagen, dass ich mit dem ersten Ansatz nicht glücklich geworden bin. Die Schüler mit Vorerfahrungen haben hier zwar tolle Sachen gemacht. Ich hatte aber das Gefühl, dass gerade die Schüler, die Schwierigkeiten beim Programmieren hatten, es einfacher gehabt hätten, wenn sich der Unterricht auf die wesentlichen Konzepte beschränkt hätte.

Das nächste mal werde ich hier also einen anderen Weg gehen und nach einigen Wochen Turtle-Grafik systematisch nacheinander einzelne Programmierkonzepte einführen und schauen, ob meine Schüler und ich damit glücklicher werden.

Mein zweites Problem folgt dann aber auch schon: Wie wichtig ist mir das Programmieren eigentlich überhaupt?

Im Informatikunterricht der E2 und Q1 ist es so, dass sich beim Programmieren die Spreu vom Weizen trennt: Der gerne programmiert und dies auch in seiner Freizeit tut, der wird auch in der Q-Phase glücklich werden. Wer nur die 2 Stunden absitzt und sich ansonsten nicht mit Informatik beschäftigt, der wird auch am Programmieren scheitern.

Dies ist deshalb schade, weil das Fach Informatik noch so viel mehr bietet als das. Entweder man kann beim Programmieren in die Tiefe gehen und sich immer mehr Techniken aneignen, um Probleme zu lösen, oder man kann die Breite des Faches entdecken und z.B. die unterschiedlichsten Algorithmen explorieren. Mein aktueller Q1-Kurs hat z.B. nach einem programmierintensiven Start in das Schuljahr und erster Untersuchung von Such- und Sortieralgorithmen den Wunsch geäußert einen stärkeren Fokus auf die Algorithmik zu legen.

Dabei kam mir der Gedanke, dass man sogar fast komplett auf das Programmieren verzichten könnte. Die Informatik ist schließlich ein Fach, dass eine unglaubliche Bandbreite an Themen und Gebieten vorzuweisen hat. Was ist im Sinne der Vorbereitung auf das Studium wichtiger? Den Schülern gute Programmierkenntnisse beibringen (zweifellos eine wichtige Fähigkeit) oder die ganze Bandbreite des Faches Informatik aufzeigen, um die Vielfältigkeit dieser Wissenschaft zu vermitteln?

Die grundlegenden Fragen „Wie viel Programmierung braucht der Schüler und wie führt man diese am besten ein?“ werden mich auf jeden Fall noch eine ganze Zeit lang beschäftigen

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