Auf Spiegel-Online findet sich ein interessanter Artikel:

spiegel.de/lebenundlernen/schule/lehrergestaendnis-immer-mehr-werbung-im-klassenzimmer-a-1252900.html …

Berichtet wird dort darüber, dass z.B. beim Abspielen von youtube-Videos zunehmend ausch Werbung Einzug in unsere Klassenräume einkehrt.

Meiner Meinung nach ist das ein Thema, dass in der kompletten Debatte zur Digitalisierung vollkommen vernachlässigt wird. Denn auch durch Tabletklassen nimmt die Rolle von Schule als Ort zur Produktwerbung immer weiter zu. Interessant wäre es daher, wenn man mal Langzeitstudien durchführen würde und überprüfen würde, wie viele Tablets auf lange Sicht durch eine Tabletklasse an den Mann gebracht werden.

Gilt “Einmal Apple, immer Apple[Microsoft, Google,…])?

Das ist ein Trend, mit dem ich mich sehr unwohl fühle: Ich möchte als Lehrer weder Produktwerber noch Verkäufer sein. Wenn ich aber sehe, wie gedankenlos in der Schule geschlossene Systeme und Clouds einzelner Anbieter (icloud, onenote,…) verwendet werden und wie wenig die Bedeutung von freier Software und Open Source hervorgehoben wird, dann ist Schule längst der verlängerte Arm des Apple-[Microsoft, Google]-Stores.


Kleiner Zwischenstand: Mit Hilfe meines Informatik-Kollegen sind jetzt die beiden Online-Kurse für die Oberstufe im vollen Gange.

  • Der Python-Kurs für die E-Phase wurde erweitert und mit zahlreichen Aufgaben ergänzt. https://stepik.org/course/50976/ .
  • Neu ist der SQL-Kurs für die Q-Phase: https://stepik.org/course/51161

Bei beiden Kursen öffnen wöchentlich neue Lektionen, bei denen man nach Ablauf der Frist nur noch die halbe Punktzahl für das Lösen der Aufgaben bekommt. Dies hat folgenden Grund:

Zwar kann ich sehen, welcher meiner Schüler welche Aufgaben erfolgreich erledigt hat und dies fliest natürlich auch in die Note ein. Allerdings kann bei so einem Kurs ja auch leicht geschummelt und abgeschrieben werden, womit der Lerneffekt zunichte gemacht würde.

Das kann ich zwar nicht verhindern, aber dadurch, dass man gezwungen ist wöchentlich etwas zu tun, wird dies zumindest erschwert. Außerdem wissen wir ja, dass es lernpsychologisch besser ist, sich regelmäßig mit einer Sache auseinanderzusetzen.

So sehen die Kurse aus:

Der SQL-Kurs:

Der Python-Kurs:

Zehn mal die Zehn: 10 * 10 * 10 + 10 * 10 * 10 + 10 + 10 – 10 / 10 = 2019 oder achtmal die Zehn (10 + 10) * 10 * 10 + 10 + 10 – 10 / 10.

Welche Terme gibt es noch?

Die Aufgabe für die erste Mathestunde im neuen Jahr.

(Die Credits für diese Aufgabe gehen an Regina Bruder. Die Fachdidaktik an der TU Darmstadt hat mich damals sehr inspiriert)

Hier ein interessanter Artikel aus Finnland.

Das Projekt “1% AI” soll landesweit die Bevölkerung trainieren, zu coden und künstliche Intelligenz zu verwenden. Zielgruppe sind dabei insbesondere Nichtinformatiker.

Derweil hier in Hessen: Das Thema künstliche Intelligenz werden nicht einmal viele Schüler mit Grundkurs Informatik angerissen haben. Die Bedeutung von künstlicher Intelligenz, maschinellem Lernen und Data Science wurde hierzulande noch nichtmal im Ansatz erfasst.

Aber wer die Welt von morgen verstehen will, der wird um diese Themen nicht herumkommen, #Allgemeinbildung.

Wer hier gelegentlich reinschaut oder das Blog in seinem Lieblings-Feedreader liest, wird feststellen, das hier lange nichts passiert ist.

Der Grund ist simpel: Auf der Suche nach einer guten Work-Life-Family Balance nimmt das Blog oft nur eine untergeordnete Rolle ein. Dennoch laufen die nächsten Projekte:

  • Python wird in der E-Phase generell als erste Programmiersprache verwendet. Dazu bin ich dabei meinen Onlinekurs auf das nächste Level zu heben: https://stepik.org/course/50976
  • Die 2D-Engine Gamegrid macht Pause. Im Moment gibt es noch einige Baustellen die ich bearbeiten muss, dann kommt die ganze Software mit einem Riesenupdate zurück.

Zumindest etwas Zeit sollte ich gewonnen haben: Für die kommende E-Phase steht der Kurs bereits im Großen und Ganzen. Die kommende Q2 wird ohne Kurs auskommen müssen. Daher bleibt etwas mehr Zeit für andere Projekte.

Aus Neugier habe ich mal bei Twitter nach Informatiklehrer gegoogelt. Sehr unterhaltsam 🙂

Hier die Ergebnisse meiner Recherche nach interaktiven Online-Programmierkursen. Manchmal ist die Suche etwas abgedriftet, daher finden sich auch andere Tools:

  • Mein Favorit bisher war Stepik.org auf dem ich den Nachfolger meines Programmierkurses entwickelt habe. Mit Stepik kann man als Lehrer kostenlose Programmierkurse unter Creative Commons Lizenz erstellen und den Prozess seiner Schüler überwachen.
  • Neben dem mir bereits bekannten Python-Kurs von cs-circles habe ich neu entdeckt den Kurs snakify – Auch hier kann man als Lehrer den Prozess seiner Schüler verfolgen.
  • Edabit: Auf der Seite kann man Erfahrungspunkte sammeln, in dem man zunehmend schwerere Programmieraufgaben löst. Wer es hier geschafft hat auch die schweren Aufgaben zu lösen ist auf jeden Fall ein guter Programmierer.
  • Alternativ gibt es auch spielerische Herangehensweisen, z.B. https://checkio.org/
  • Pythontutor.com ist ein tolles Tool zum Visualisieren von Code. Noch besser, da etwas reduzierter, ist die Variante von cscircles
  • SQLZoo bleibt mein liebstes Tool zum Lernen von SQL, auf ähnlichem Niveau sind aber auch sqlbolt und das deutsche Tutorial https://imoodle.de/sqltutorial/home.html
  • Flaci ist ein geniales Tool für die Theoretische Informatik.
  • Regexone ist ein interaktives Tutorial zum Lernen von regulären Ausdrücken
  • https://ideone.com/ ist das perfekte Tool, wenn mal wieder irgendetwas an der Entwicklungsumgebung nicht funktioniert.
  • https://visualgo.net/en Die beste Seite um Algorithmen zu visualisieren.

Hier eine kleine Übersicht über die beliebtesten Sprachen der verschiedenen Sprach-Rankings. Während bei Tiobe Java deutlich führt, sind im Redmonk Index im Prinzip alle hier genannten Sprachen fast gleich auf. Beim Pypi-Index kehrt sich die Liste um und Python hat hier mehr und mehr Java den Rang abgelaufen.

Tiobe Index:

  • 1 Java 16,9%
  • 2 C 15%
  • 3 C++ 7,5%
  • Python 7%

Redmonk Inde

  • Javascript
  • Java
  • Python
  • C# 

PyPl Index:

  • Python 24%
  • Java 22%
  • Javascript 8%
  • PHP 8%

Für die heutige Zeit gilt -mehr als für jede andere-, dass wir mit unserem Verhalten die Welt von Morgen mitgestalten. Das Kreuz auf dem Stimmzettel ist dabei nur eine Nummer in der Menge der Entscheidungen mit denen wir bewusst oder unterbewusst Einfluss auf unsere Umwelt nehmen. Mit jedem Einkauf den wir tätigen, bestimmen wir mit, wie die Produktions- und Lebensbedingungen überall in der Welt aussehen. Dies ist beim Einkaufen inzwischen immer mehr Leuten bewusst geworden. Waren es zunächst oft Veganer und Vegetarier, dann einige belächelte “Ökos”, die bewusst im Supermarkt eingekauft haben, so ist das Thema inzwischen in der Gesellschaft angekommen. Im Supermarkt an der Ecke, in der Zeitung, im Freundeskreis – überall bemerkt man die Veränderungen. Ähnlich ist es beider Frauenbewegung, die ihren Weg vom Rand der Gesellschaft in den Mainstream gefunden hat.

Anders ist es in der digitalen Welt.

Ein Gedankenexperiment: Man stelle sich ein “Kaffee-Facebook” in der echten Welt vor. Zunächst ein paar Rahmendaten: Das Kaffee Facebook hat in jeder Stadt Niederlassungen, einige unter eigenem Namen, andere Filialen tragen den Namen WhatsApp oder Instagram.

Fast 40% der deutschen besuchen das Kaffee einmal im Monat [1], fast jeder dritte geht täglich in das Kaffee. Das Franchise Unternehmen WhatsApp besuchen fast 90% der 14-60 jährigen täglich [2] und Jugendliche unter 25 verbringen täglich mehr als eine halbe Stunde in Instagram.

Was macht das Kaffee so besonders? Zunächst mal ist es kostenlos. Man muss keinen Kaffee trinken um im Kaffee-Facebook Zeit verbringen zu können. Dafür befinden sich überall Kameras. Wenn du hier deinen Kaffee zum Mund führst, wird analysiert, ob du Links- oder Rechtshänder bist, es wird die Kleidung bewertet die du trägst, es wird mit Hilfe moderner Bilderkennung gespeichert, wann du dich mit welchen Freunden getroffen hast, wie das Treffen verlaufen ist und worüber ihr gesprochen habt. Alles was du sagst, alles was du tust, sogar jeder Furz von dir wird gespeichert und maschinell ausgewertet, um ein Profil von dir zu erstellen, dass am Ende aussagt, was für ein Mensch du bist. Das Kaffee speichert aber nicht nur Informationen über Leute, die das Kaffee besuchen, sondern auch über Leute, die das Kaffee nicht besuchen (sogenannte Schattenprofile). Du rufst aus dem Kaffee deine Freundin an? Dies wird gespeichert. Und auch wenn deine Freundin das Kaffee niemals besucht hat, weiß Facebook schon längst, dass sie dir fremdgeht. Deine politische Gesinnung, Wohnort, Freundeskreis, Vorlieben und Hobbys, Finanzkraft… all dies und vielmehr kann entweder direkt oder mit Hilfe von Algorithmen indirekt erschlossen werden.

Da das Kaffee von den meisten Menschen genutzt wird, findet hier aber auch ein wichtiger Teil der gesellschaftlichen Meinungsbildung statt. Das Kaffee wird als öffentliches Forum genutzt, um gesellschaftliche und politische Ideen weiterzutragen. Das Kaffee ist sozusagen eine Art Marktplatz in dem alles diskutiert wird, was gesellschaftlich relevant ist. Ob es pro oder contra Asylrecht, Freihandelsabkommen, Schulpolitik geht – Dies alles wird in dem Kaffee ausgetauscht. Wer dieses Kaffee meidet, der wird auch vom gesellschaftlichen und politischen Meinungsbildungsprozess ausgeschlossen. Oder anders gesagt: Wer an der Gesellschaft und Politik teilhaben will, der kommt nicht darum herum sich selbst an einen Tisch ins Facebook-Kaffee zu setzen und muss damit leben, von tausenden Kameras im Kaffee analysiert und seziert zu werden und dabei alle Informationen zur eigenen Privatsphäre an das Kaffee-Facebook zu verkaufen.

Zurück zur Realität: Was passiert mit den ganzen Daten? Es ist bekannt, dass die Daten an dubiose Unternehmen verkauft werden, um damit Wahlbeeinflussung zu betreiben, die gesammelten Daten werden im wirklich großen Maßstab missbraucht [5]. Und wen interessiert es? Wer ist danach aus Facebook, Instagram und Whatsapp ausgestiegen? Hat dies Facebook in irgendeiner Form geschadet?  Die einzigen die die Möglichkeit gehabt hätten, Facebook die Grenzen seiner Macht aufzuzeigen, wären seine Benutzer gewesen. Doch die haben nichts gemacht. Doch genau hier liegt die Wurzel des eigentlichen Problems: Je mehr sich unser Leben in die digitale Welt verschiebt, umso mehr bestimmen wir mit unseren Entscheidungen, wie sich diese digitale Welt entwickelt und beeinflusst. Wenn wir in einer freiheitlichen Welt leben wollen und nicht in einer Welt in der das Fünfgestirn aus Google, Facebook, Amazon, Microsoft und Apple die Regeln schreibt, dann müssen wir uns auch entsprechend verhalten. All diese Unternehmen haben nur die große Macht (die all diese Unternehmen auch in irgendeiner Form missbrauchen), weil eine Vielzahl von Menschen sie ihnen gedankenlos überlassen.

Ich halte es daher mit den Worten von Michail Sergejewitsch Gorbatschow, die heute aktueller denn je sind:  “Man ist entweder Teil der Lösung oder Teil des Problems. Ich habe mich für ersteres entschieden.” – oder anders gesagt: Nicht Facebook ist das Problem, wir sind es. Aus diesem Grund habe ich beschlossen, aus Facebook, Whatsapp und Instagram am Ende dieser Woche komplett auszutreten.

 

[1] https://allfacebook.de/zahlen_fakten/offiziell-facebook-nutzerzahlen-deutschland

[2] https://www.whatsbroadcast.com/de/content/whatsapp-nutzerzahlen-deutschland-2018/

[3] https://allfacebook.de/instagram/instagram-nutzer-deutschland

[4] https://netzpolitik.org/2018/ob-nutzer-oder-nicht-facebook-legt-schattenprofile-ueber-alle-an/

[5] https://www.dw.com/de/facebook-datenskandal-was-bisher-geschah/a-43322775