Als Informatiklehrer frage ich mich oft: “Was will ich eigentlich unterrichten”.

In Mathematik ist mir die Frage klar. Die Mathematik ist inhaltlich ein Gebäude mit einem Fundament auf dem verschiedene “Stockwerke” aufgebaut werden. Die Kompetenzen, die durch Mathematik gefördert werden sind in den Curricula gut festgehalten.

In Informatik ist die Sache weniger klar: Es gibt natürlich Lehrpläne, es gibt Bildungsstandards. Und doch bin ich hier wesentlich mehr darüber am Nachdenken, was unterrichtet werden soll und welche Kompetenzen entscheidend sein sollten, als in Mathematik. Dies liegt u.a. daran, dass:

  • Der Raum für Informatik im Bildungswesen viel zu klein ist. Das Lernen in unserer Zeit für die meisten Schüler auch Lernen ohne Informatik bedeutet, ist ein Trauerspiel. Zur Zeit haben nur 4 Bundesländer ein Pflichtfach Informatik. In Hessen ist Informatik ein Wahlpflichtfach, d.h. die meisten Schüler haben keine einzige Unterrichtsstunde Informatik gehabt.

  • Die Schüler, die Informatik gehabt haben, haben nur eine kleine Teilmenge dessen gelernt, was ich persönlich von einem Schüler mit Abitur voraussetze, damit dieser nicht digitaler Analphabet ist. Dazu gehören u.a. auch Grundlagen in künstlicher Intelligenz, für die hier leider keine Zeit ist. Dies hängt zum Teil mit den Curricula zusammen, aber noch stärker damit, dass in der geringen Zeit gar nicht alles gelernt werden kann, was gelernt werden müsste und daher immer eine unvollständige Auswahl getroffen werden muss. Der IST-Zustand der informatischen Bildung (in Hessen) ist daher eine Mängelverwaltung.

Zuletzt hatte ich sehr interessante Diskussionen, u.a. mit Ludger Humbert, …