Auf Spiegel-Online findet sich ein interessanter Artikel:

spiegel.de/lebenundlernen/schule/lehrergestaendnis-immer-mehr-werbung-im-klassenzimmer-a-1252900.html …

Berichtet wird dort darüber, dass z.B. beim Abspielen von youtube-Videos zunehmend ausch Werbung Einzug in unsere Klassenräume einkehrt.

Meiner Meinung nach ist das ein Thema, dass in der kompletten Debatte zur Digitalisierung vollkommen vernachlässigt wird. Denn auch durch Tabletklassen nimmt die Rolle von Schule als Ort zur Produktwerbung immer weiter zu. Interessant wäre es daher, wenn man mal Langzeitstudien durchführen würde und überprüfen würde, wie viele Tablets auf lange Sicht durch eine Tabletklasse an den Mann gebracht werden.

Gilt “Einmal Apple, immer Apple[Microsoft, Google,…])?

Das ist ein Trend, mit dem ich mich sehr unwohl fühle: Ich möchte als Lehrer weder Produktwerber noch Verkäufer sein. Wenn ich aber sehe, wie gedankenlos in der Schule geschlossene Systeme und Clouds einzelner Anbieter (icloud, onenote,…) verwendet werden und wie wenig die Bedeutung von freier Software und Open Source hervorgehoben wird, dann ist Schule längst der verlängerte Arm des Apple-[Microsoft, Google]-Stores.

EDIT 02.04.2019: Ich habe inzwischen einige Diskussionen zu dem Thema geführt. Ein Google-Angestellter nannte z.B. in einer Diskussion das Gegenargument, dass es ähnliche Probleme ja auch mit Schulaustattung sowie Schulbüchern gebe.

Man muss unterscheiden zwischen Werbung und Nutzen von einem Tool. Wenn ich in der Schule auf einem Stuhl der Firma XY gesessen habe, werde ich später nicht auch Stühle dieser Firma kaufen. Wenn ich in der Schule Bücher von Cornelsen gekauft habe, dann werde ich später nicht mein Leben lang Bücher bei Cornelsen kaufen. In den geschlossenen Systemen der 3 großen Player (MS, Google, Apple) sieht die Sache aber anders aus. Mit verlockenenden Angeboten (In der Regel gute Software) versucht man die Kunden in den eigenen Microkosmos zu ziehen, wo es schwierig ist wieder herauszukommen. Wer in der Schule jahrzehntelang seine Notizen in der Microsoft Cloud (One Note) gespeichert hat, der wird danach nicht zu einem Anbieter wechseln (Auch weil die Onenote-Export-Funktionen bescheiden sind). Wer jahrelang im Apple-Kosmos gelebt hat, in der icloud Dokumente abgespeichert hat und als Anwendungen nur Pages/Keynote & co. verwendet hat, der wird auch dort bleiben.

Als Schule kommt man natürlich nicht um diese Anbieter herum (Ein gutes Linux Tablet mit Stiftbedienung wird wohl für immer ein Traum bleiben). Aber wenn man einen der Anbieter benutzt, dann ist es meiner Meinung nach Aufgabe von Schule, gerade diese Nebeneffekte so gut es geht zu vermeiden.