An dieser Stelle folgen einige Gedanken, die mich schon länger bewegen und die ich auf diesem Weg einmal aufschreiben muss:

Inzwischen bin ich der festen Überzeugung, dass die Firma Apple nichts in Klassenräumen zu tun haben sollte. Genausowenig wie Amazon, Facebook, WhatsApp und Instagram Google und Microsoft. Jeder dieser Konzerne hat an der ein oder anderen Stelle Geschäftspraktiken, die aus gesamtgesellschaftlicher Perspektive höchst problematisch sind. Jeder der Konzerne missbraucht seine Marktmacht auf unterschiedliche Art um seine Macht zu festigen. Jeder dieser Konzerne drängt in die Schule um schon die kleinsten, sozusagen als Einstiegsdroge an ihre Systeme zu binden. Den Erfolg solcher Maßnahmen sieht man z.B. bei Microsoft, das es geschafft hat, dass Microsoft Office durch umfangreiche Rahmenverträge mit Schulen für viele Jugendliche praktisch zum Synonym für Textverarbeitung zu machen. Der Einsatz der jeweiligen Soft- und Hardware dient in der Schule als “Einstiegsdroge” um die Kinder an ihre Systeme zu bekämpfen und für dieses Vorhaben investieren die Big Player richtig viel Geld.

Natürlich ist ein komplettes Aussperren der Big-Player illusorisch. Wünschenswert wäre es natürlich aus der Perspektive den Lobbyismus aus den Schulen zu verbannen, wenn man konsequent auf Open-Source und als Betriebssystem konsequent auf Linux zu setzen. Damit beraubt man sich natürlich aber auch einiger Möglichkeiten und im Tablet-Markt ist dies ja auch gar nicht möglich. Wenn man aber schon die Dienste einer der Großen verwendet und man möchte sich das Prädikat “Medienbildung” auf die Fahnen schreiben, dann kommt man meiner Meinung nach nicht daraum sich mit den Nachteilen der jeweiligen Systeme vertraut machen und daraus Konsequenzen für die Schule ziehen.

Wenn man Android oder Chromebooks verwendet und sich damit Google ins Haus holt, dann muss das Thema Daten eine besondere Rolle spielen. Man muss die Schüler ermächtigen, die Geräte so zu benutzen, dass sie lernen im Besitz ihrer Daten zu bleiben und dem Spionageprogramm von Google zu entgehen.

Holt man sich Microsoft an Bord, dann muss man sich Gedanken über die Macht von Office nutzen und die Schüler lehren, dass es Alternativen zu Microsoft Office gibt und man zum Beispiel Libreoffice/Wps Office und Textmaker statt Word benutzen kann.

Etwas umfangreicher möchte ich an dieser Stelle auf die Nachteile von Apple eingehen:

Mein wichtigster Kritikpunkt an Apple im Bildungswesen ist die Geschlossenheit des Systems. Auf einem Apple-Gerät darf nur die Software verwendet werden, die von Apple geprüft und genehmigt wurde. Apple bestimmt also, welche Software zu welchen Bedingungen auf ihren Geräten laufen darf. Was gut für Sicherheit und  Qualität des Systems ist, ist aus demokratischer und marktwirtschaftlicher Perspektive höchst bedenklich. Wer in das Apple-System einkauft, muss sich bei der Nutzung einem Konzern unterwerfen, der mit zunehmender Marktmacht seine eigene Regeln schreibt. Da setzt direkt meine Kritik an: Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland legt in Artikel 33 fest, dass die Schule Kinder zu “freiheitlicher demokratischer Gesinnung” erziehen soll. Doch was bedeutet das bei der Digitalisierung und bei der Verwendung von Ipads?

Es gilt ja schon seit langem, dass Politik an der Supermarktkasse und auch beim Klick des Einkaufen-Buttons getätigt wird. Über unsere bewusste Entscheidungen, formt jeder von uns die Welt von heute und morgen mit. Dies gilt insbesondere im Bildungsbereich in dem wir diese Entscheidungen auch unseren Kindern mitgeben. Wir entscheiden hier aktiv mit, wie die Welt von morgen aussehen wird. Weren unsere Kinder sich einer alles durchleuchtenden Datenkrake oder einem geschlossenem System im nordkoreanischen Stil anvertrauen? Verlagen wir unsere Wertschöpfungsketten nach China und Amerika? Führen wir unsere Kommunikation auf offenen oder geschlossenen Kanälen oder auf dem Facebook-Marktplatz, wo ein Konzern, der sich in der Vergangenheit mit dubiosen Geschäftspraktiken bewiesen hat, jedes geschriebene Wort mitliest? Die Mediennutzung von heute schafft die digitale Welt von morgen. Wir als Nutzer entscheiden ganz massiv mit, wie freiheitlich diese Welt sein wird, oder wie abhängig wir von wenigen großen Big-Playern sein werden.

Zurück zu Apple an Schulen: Es gibt natürlich viele Argumente die für Apple sprechen (Sicherheit, einfache Kofigurierbarkeit, Apple Classroom, …). Wenn man aber Apple an Schulen benutzt, dann muss man sich klarwerden:  Wie erzieht man die Schüler eben nicht dazu, sich in dieses geschlossene System anzuvertrauen? Wie stark, wollen wir die von Apple gewollte Abhängigkeit an das System fördern? Wie sehr treten wir als Lehrer als Verkäufer auf, die die Geräte als Einstiegsdroge an die Schüler verkaufen?

Meiner Meinung nach gibt es dazu eine Grundvoraussetzung: Man muss Apple-Geräte als zugrunde liegende Hardware verwenden, aber die Software so auswählen, dass man die Abhängigkeit möglichst gering hält.

Sprich: Bei jeder Software die man verwendet, sollte man hinterfragen: Ist die Software bedeutend für Medienbildung? Bei einer App zum Lernen der Schreibschrift in der ersten Klasse kann man dies verneinen. Die Software verfolgt einen spezifischen Lernzweck. Bei Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Videoschnitt, kollaborativen Arbeiten, Notizen… sieht die Sache anders aus. Hier dient die Software nicht nur dazu Inhalte zu erlernen, sondern die Software selbst dient als Werkzeug um ähnliche Probleme mit Hilfe der Software zu lösen.

Wenn die Software selbst als Werkzeug dient, ergibt sich dadurch eine Implikation. Dieses Werkzeug sollte nach Möglichkeit jedem Schüler zur Verfügung stehen unabhängig davon, welches Betriebssystem er verwendet. Deshalb sollte in diesem Fall wenn möglich immer Software verwendet werden, die nicht nur im Apple-Universum existiert, sondern die auf jedem System gleichermaßen verfügbar ist (besser noch wäre: Kostenlos, Open-Source). Sprich: Onlyoffice, Office und WPS Office statt Pages & Co, Illustrator & Co statt Imovie,  Daten sollten nicht in der Icloud gespeichert werden, sondern auf freien Alternativen (Owncloud, Nextcloud).

In dem Moment, wo man Pages, Keynote & co verwendet, beginnt man die Schüler an die geschlossene Apple-Welt zu binden. Die Schüler verlieren damit ein Teil ihrer Freiheit, selbst entscheiden zu können, welche Plattform sie in Zukunft verwenden. Denn ein Wechsel des Ökosystems ist dann immer mit einem Verlust an Werkzeugen und damit auch mit einem Verlust an Kompetenzen die nur in diesem Ökosystem gelten, verbunden.Wenn wir unseren Erziehungsauftrag ernst nehmen, Kinder zu “freiheitlicher demokratischer Gesinnung” zu erziehen, wenn wir Medienbildung und keine Apple-Bildung fördern wollen, dann gibt es zu folgendem Leitsatz keine Alternative:

  1. Nicht das Tablet selbst, sondern die Software auf dem Tablet ist das Werkzeug, dass die Schüler erlernen.
  2. Nur wenn die erlernten Werkzeuge auf jedem Gerät gleichermaßen verwendet werden können, darf man von Medienbildung sprechen.

Mit diesen Leitfäden gibt es auch Argumente auf typische Argumente der Apple-Befürworter erschlagen:

Erstens: “Auf den restlichen Schulrechnern läuft Windows”. Ja, Windows hat sich im großen Stil als Betriebssystem in Schulen, Behörden usw. durchgesetzt. Insbesondere in der Verflechtung mit Microsoft Office kann man dies auch kritisch sehen. Generell schließt eine Windows Nutzung aber keine kompetente Mediennutzung und Medienbildung aus, wenn die gelernten Kompetenzen auf andere Systeme (Android, Linux, Apple) übertragbar sind. Dies steht und fällt mit der verwendeten Software. Auch auf Windows-Rechnern sollte man darauf achten, Software zu verwenden, die möglichst offen und plattformübergreifend ist um Abhängigkeiten möglichst gering zu halten.

Zweitens: Apple-Geräte laufen am besten, sind virenfrei und am unkompliziertesten ins Schulsystem einzubrinden. Die Argumente sind korrekt, und vieles spricht zum jetzigen Zeitpunkt dafür Apple-Geräte im Klassenraum zu verwenden. Es gibt aber auch die Möglichkeit Apple-Geräte ohne den Verlust all dieser Vorteile so einzusetzen, dass man eine plattformübergreifende Medienbildung vermittelt. Verpasst man diese Chance, dann darf man den Begriff Medienbildung meiner Meinung nach nicht verwenden. Die Vorteile des Apple-Ökosystems zu nutzen ist kein Arument dafür sich den Nachteilen hinzugeben.

Zuletzt ein Gedanke, der mich in den letzten Wochen öfters beschäftigt hat:

“Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.” (Kant)

Heute leben wir meiner Meinung nach in einer Epoche die der Aufklärung fundamental entgegenläuft:

Wir haben in einer Epoche der größtmöglichen Freiheit gelebt. Im Zuge der Digitalisierung geben wir diese Freiheit auf um uns zurück in die Abhängigkeit von anderen zu begeben. Wenn wir uns aus dieser selbstverschuldeten Unfreiheit wieder befreien wollen, dann benötigt dies auch Mut. Es ist aber nicht der Mut seinen Verstand zu bedienen, sondern der Mut auch in der digitalisierten Welt mitzuwirken, diese Welt offen und freiheitlich mitzugestalten.

In diesem Sinne: Ich überlege zur Zeit, wie ich den Abschied von Facebook und Whatsapp gestalten kann